Fragen und Antworten zum Projekt
Hier finden Sie die Antworten zu häufig gestellten Fragen:
Projektlandschaft Renzo
Das Projekt Renzo umfasst den Ersatzbau bzw. den Ersatz der heutigen erzo KVA am Standort Oftringen. Renzo ist ein entscheidendes Element in der Projektlandschaft enhpor, das neben dem neuen Abfallkraftwerk, die Klärschlammtrocknung, ein Phosphor-Recycling sowie ein Fernwärmeprojekt für das untere Wiggertal umfasst.
Die verkehrstechnisch gute Lage, das grosse Potenzial für den Verkauf Wärme sowie gesamtschweizerisch weiterhin steigende Abfallmengen bewogen die Verantwortlichen im Jahr 2020 dazu, diesen Entscheid zu überdenken. Es entstand die Projektidee eines modernen Abfallkraftwerks im unteren Wiggertal. Weitere Informationen sind in der regionalen Energieplanung ersichtlich.
Die heutige KVA am Standort Oftringen nähert sich dem Ende ihrer Lebensdauer. Der Betrieb der bestehenden Anlage kann in naher Zukunft primär aus drei Gründen nicht mehr weitergeführt werden: Es fehlt die Wirtschaftlichkeit, die Anlage entspricht nicht mehr dem Stand der Technik und ausserdem würde eine effiziente Energieauskopplung fehlen. Damit die im Abfall vorhandene Energie aus dem erzo-Gebiet weiterhin für die Versorgung der Region genutzt werden kann, ist ein Ersatzbau sinnvoll.
Die Einwohnerinnen und Einwohner von Oftringen profitieren in vielfacher Hinsicht vom Ersatzbau der KVA: Als Standortgemeinde profitiert Oftringen neben Steuererträgen von Renzo als Aktiengesellschaft von der Nähe der Wärmeerzeugung, weil Liegenschaften wie z.B. die Mehrzweckhalle mit nachhaltiger Abwärme der KVA geheizt werden können. Die einfach verfügbare nachhaltige Energie schafft für die Region einen grossen Standortvorteil. So werden bestehende Arbeitsplätze erhalten, neue geschaffen und das lokale Gewerbe mit Aufträgen versorgt.
Hinter dem Projekt stehen die erzo KVA und die Renergia Zentralschweiz AG. Am 10. November 2023 haben der Verwaltungsrat der Renergia Zentralschweiz AG und die Abgeordnetenversammlung der erzo KVA einstimmig einen Zusammenarbeitsvertrag und einen Kreditantrag zur Projektierung eines neuen Abfallkraftwerks mit dem Projektnamen Renzo am Standort Oftringen gutgeheissen.
Für die Realisierung und den Betrieb planen erzo KVA und Renergia die Gründung einer Aktiengesellschaft, an der erzo KVA mit 35% und Renergia mit 65% beteiligt sein sollen. Diesen Entscheid werden die Aktionäre der Renergia und die Abgeordneten der erzo KVA voraussichtlich per Ende 2027 treffen. Für die Verbandsgemeinden reduziert sich das Risiko massiv, da die neue Aktiengesellschaft mit ihrem Aktienkapital für die Risiken haftet.
Weiterhin können die Einwohnerinnen und Einwohner an der Abgeordnetenversammlung der erzo KVA und der erzo ARA teilnehmen. Ferner können die Gemeinden ihre Anliegen im Verband erzo KVA und erzo KVA einbringen. Die Statuten der Trägergesellschaft werden eine qualifizierte Mehrheit bei wichtigen Entschlüssen voraussetzen, welche hohe Relevanz für die Region und Nachbarschaft haben.
Die Einwohnerinnen und Einwohner der Verbandgemeinden können zudem über ihre Gemeinderäte an den Beschlüssen der erzo KVA und ARA mitwirken. Die Möglichkeit eines fakultativen Referendums bleibt bestehen.
Im Rahmen eines Aktionärsbindungsvertrages werden die künftigen Rechte der Gemeinden festgehalten werden. Sobald der Aktionärsbindungsvertrag ausgehandelt ist, wird dieser öffentlich aufgelegt.
Der Projektpartner von erzo KVA ist die Renergia Zentralschweiz AG. Renergia betreibt am Standort Perlen LU erfolgreich eine grosse Energiezentrale mit zwei Linen und einer Kapazität von 280’000t pro Jahr. Sie gehört acht Abfallverbänden der Zentralschweiz und der Perlen Papier AG. Renergia ist eine zuverlässige und ideale Partnerin mit enger Beziehung zu erzo KVA und fundiertem Know-how im Bau und Betrieb einer der modernsten KVA der Schweiz. Es macht darum Sinn, dass das Know-how der Renergia in Bezug auf eine umweltschonende Verwertung von Abfällen und die Energiegewinnung im Projekt Renzo genutzt wird. Synergien lassen sich künftig optimal nutzen.
Bis ins Jahr 2035 wird für die Region Nordwestschweiz prognostiziert, dass Verbrennungskapazitäten einer mittelgrossen KVA (200’000 Tonnen pro Jahr) benötigt werden. Das untere Wiggertal ist dicht besiedelt und hat einen hohen Industrieanteil. Der Bedarf an erneuerbarer, klimafreundlicher Energie in Form von Fernwärme und Prozessdampf wird auch in Zukunft steigen. Eine 2022 erstellte Machbarkeitsstudie kommt daher zum Schluss, dass sich eine Investition in die Erneuerung und den Ausbau eines Abfallkraftwerk mit umfassender Nutzung der produzierten Energie am bestehenden Standort in Oftringen schon bei einer Laufzeit von 25 Jahren lohnt. Das liegt unter anderem an der geplanten schlanken Betriebsorganisation, einer wirtschaftlich orientierten Geschäftsführung als auch an den steigenden Preisen von Abfall und Energie.
Im Vordergrund der Planung steht, eine Anlage zu betreiben, die bezüglich Energienutzung und Umweltaspekten dem aktuellen Stand der Technik entspricht und auf dem Schweizer Markt wirtschaftlich bestehen kann. Allerdings braucht es dazu eine Anlage mit einer gewissen Kapazität. Unsere Studie hat ergeben, dass ein Betrieb sich ab 160’000 Tonnen Kehricht pro Jahr lohnt. Kleine Anlagen sind heutzutage nur in Ausnahmefällen noch wirtschaftlich und energetisch effizient. Renzo wird mit der geplanten Kapazität und der erwarteten Entwicklung der Abfallmengen genügend ausgelastet sein, um den Wärmebedarf der voll ausgebauten Fernwärme (auch im Winter), der Klärschlammtrocknung und weiterer, potenzieller Energiekunden zu decken.
Kommt dazu: Die Platzverhältnisse auf der heutigen Anlage sind beengt. Der Ersatz und die Erweiterung ermöglichen auch eine Optimierung der Anordnung der verschiedenen Komponenten der Anlage. Damit lassen sich die arealinternen Logistikprozesse gegenüber heute stark optimieren.
Oftringen ist der bisherige Standort der KVA. Neue Anlagen auf der grünen Wiese zu bauen ist kaum mehr möglich. Das Land, auf dem die neue Abfallkraftwerk gebaut werden soll, ist bereits im Besitz der erzo (ARA), muss jedoch noch eingezont werden.
In Oftringen und Umgebung bestehen grosse Möglichkeiten, die in der KVA produzierte Energie zu verteilen. Der Standort bietet mit Fernwärmeanschlüssen, der lokalen Industrie als potenzielle Dampfkunden und den enphor-Projekten einzigartige Möglichkeiten. Für das Phosphor-Recycling oder andere zukünftige Projekte wird eine grosse Menge an Energie benötigt. Diese Energie steht in dieser Menge und mit dieser Zuverlässigkeit nur im Umfeld einer KVA zur Verfügung.
Der KVA-Standort ist lokal gut akzeptiert und es ist bereits qualifiziertes Personal in der Region vorhanden. Zudem sind dank der Nähe zur Autobahn und der Lage in der Gewerbezone wenige Wohngebiete vom Entsorgungsverkehr betroffen.
Mit dem Projekt gestalten die Wiggertaler Gemeinden die Zukunft und legen einen sozialen, ökologischen und ökonomischen Grundstein zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Region. Es steigert die regionale Attraktivität, schafft und erhält Arbeitsplätze, beschleunigt die Energiewende, verhilft damit der regionalen Energieplanung zum Durchbruch und ermöglicht den konsequenten Ausbau einer klimafreundlichen Energieversorgung (Abwärme ab KVA) sowie einer Produktion von umweltfreundlichem Strom. Es verschafft den regionalen Unternehmen dank nachhaltiger Energie einen Vorteil. Das Projekt schafft Entsorgungssicherheit für die ganze Region; Oftringen und die ganze Region macht sich nicht abhängig von anderen KVA.
Dies würde bedeuten, dass die erzo KVA in naher Zukunft geschlossen wird. Dies hätte hauptsächlich zwei Folgen:
- Künftig wären die Verbandsgemeinden auf Kehrichtverbrennungsanlagen von ausserhalb der Verbandsgebietes angewiesen. Somit wären die Verbandsgemeinden dem freien Kehrichtmarkt ausgesetzt und hätten keine Entsorgungssicherheit. Das hätte voraussichtlich auch zur Folge, dass die Kehrichtgebühren steigen würden. Zudem würde jegliches Mitspracherecht der Einwohnerinnen und Einwohner in Bezug auf die weitere Entwicklung der Entsorgung wegfallen. Dies wiederum senkt die Attraktivität des Standortes Wiggertal.
- Der Ausbau der Fernwärme in der Region müsste wegen der fehlenden Energiequelle gestoppt werden. Somit fällt eine Möglichkeit weg, die Haushalte im Wiggertal nachhaltig zu heizen. Dies ist ein enormer Nachteil für die Nachhaltigkeitsbemühungen im Wiggertal und senkt die Standortattraktivität.
Projekt enphor
Im Minimum wird das bestehende Fernwärmenetz versorgt. Darüber hinaus planen die Versorger in der Region den Ausbau ihrer Fernwärmenetze. Die Projektlandschaft enphor stellt hierbei die Versorgung dieses grösseren Fernwärmenetzes sicher.
Ist die Nachfrage nach Fernwärme tiefer als das Angebot (z.B. im Sommer), kann die überschüssige Fernwärme über die eine Wärme-Kraft-Kopplung (WKK) in Strom umgewandelt werden. Die Wärme steht mit dem produzierten Strom in einem Verhältnis. Wird weniger Wärme benötigt, kann Strom produziert werden. Dies ist für die Anlage kostenneutral – es entstehen keine zusätzlichen Kosten egal wie viel Wärme bezogen wird.
Phosphor ist vor allem in der Landwirtschaft wichtig. Dort wird er als Dünger eingesetzt. Die Schweiz ist im Moment zu 100% abhängig von Phosphorimporten aus dem Ausland. Der Import von Phosphor aus dem Ausland ist aus verschiedenen Gründen heikel. Phosphor aus dem Ausland ist oft mit Schwermetallen belastet. Diese Schwermetalle reichern sich im Boden an und verursachen Umwelt- und Gesundheitsschäden. Beim Phosphatabbau im Ausland werden zudem oftmals ökologische und soziale Standards missachtet. Dieses Problem hat das Bundesamt für Umwelt erkannt. Aus diesem Grund muss ab 2026 Phosphor rückgewonnen werden. Mit der Projektlandschaft enphor trägt erzo ARA dieser Vorgabe Rechnung.
Für Phosphor-Recycling spricht die signifikant geringere Umweltbelastung. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass die Umweltbelastung im Vergleich zur konventionellen Produktion von Phosphor um ein Vielfaches geringer ist. Bei der Berechnung der Umweltbelastung wurde eine Vielzahl von ökologischen Faktoren berücksichtigt, wie etwa die Wasseremissionen, der Ressourcenverbrauch oder die Abfallmengen, die bei einem Verfahren entstehen.
Um das Phosphor aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen, muss dieser zunächst getrocknet werden. Dies geschieht mithilfe der Abwärme ab KVA. Der getrocknete Klärschlamm wird anschliessend in der Zementindustrie eingesetzt. Dort ersetzt er fossile Energieträger wie Kohle, Gas oder Öl, die zum Brennen von Klinker, dem Hauptbestandteil von Zement, genutzt werden.
Nach der Verbrennung bleibt die phosphorhaltige Asche übrig. Ein chemischer Prozess löst den Phosphor aus der Asche. Die Landwirtschaft kann diesen Phosphor anschliessend als Dünger nutzen.
Die phosphorfreie Asche kann anschliessend weiterverwertet werden. Sie wird dem Klinker als Füllmaterial beigegeben. So muss weniger Füllmaterial produziert werden, was wiederum grosse Mengen CO2 einspart.
Umwelt und Verkehr
Die Bevölkerung wächst und damit gibt es auch mehr Abfall. Trotz zunehmenden Spezialsammlungen und Recycling-Bestrebungen nahm die Menge verbrannter Abfälle (ohne Importe) seit 2010 jährlich um durchschnittlich 0,3% zu. Dieser Trend setzte sich auch in den Pandemiejahren 2020 und 2021 unverändert fort. In Zahlen ausgedrückt: Seit 2010 nahm der inländische Abfall insgesamt um 200’000 Tonnen zu.
Die Projektlandschaft enphor hilft, eine klimaschonende Kreislaufwirtschaft zu etablieren, indem die Rohstoffe besser genutzt werden. Gesammelte Abfälle werden in der erzo KVA in Oftringen verbrannt. Schadstoffe werden hierbei durch eine Rauchgasreinigung entfernt. Die heissen Gase aus der Verbrennung erzeugen Dampf, welcher über eine Turbine sauberen Strom erzeugt. Zusätzlich profitieren über 32’000 Endabnehmer von klimafreundlicher Wärme und ökologisch produzierten Strom. Die Verteilung wird durch Partnerorganisationen vorgenommen.
Das Abwasser der Haushalte läuft in die Kläranlage der erzo ARA. Die Abwasserreinigungsanlage trennt das Wasser von Sand, Klopapier und Exkrementen. Die Frischwasseraufbereitung geschieht in mehreren Elementen. Aus diesem Prozess entsteht Klärschlamm, der anschliessend getrocknet wird. In der Bauindustrie (Zementwerken) wird diese Trockenmasse als Brennmaterial genutzt, um Baustoffe zu produzieren.
Es liegt auf der Hand, dass eine grössere Anlage mit mehr Verbrennungskapazität zu mehr Verkehr führen wird. Auf Basis einer unabhängigen Verkehrsstudie gehen die Projektverantwortlichen davon aus, dass auf dem kantonalen Verkehrsnetz ein Mehrverkehr von 0,2 bis 0,4 Prozent entstehen wird. Das entsprich einem Mehrverkehr von 41 Lastwagen (82 Fahrten) pro Tag. Diese Fahrten erfolgen aber hauptsächlich antizyklisch – also ausserhalb der Hauptverkehrszeiten.
Das erwartete Verkehrsaufkommen wird sich nicht proportional zur Abfallmenge entwickeln. Mit ein Grund dafür sind die automatisierte Annahme grösserer Fahrzeuge aufgrund der Fokussierung auf Marktkehricht, sowie das Verbot von Kleinverkehr in der Anlieferung. Das heisst, dass pro Anfahrt künftig viel mehr Material angeliefert wird. Ein Verkehrskonzept (insbesondere für die Anlieferung und die Zerkleinerung) wird im Rahmen des Projektplans erstellt. Es ist die klare Absicht der Projektverantwortlichen, dass die Anwohnerschaft keine Mehrbelastung spüren soll.
Kommt dazu: Das Einbahnsystem mit der Einfahrt vom separaten Rechtsabbieger auf dem südlichen Ast der Wiggertalerstrasse nach dem Kreisel «erzo» und der Ausfahrt auf den nördlichen Teil der Wiggertalerstrasse bietet genügend Stauraum auf dem Areal, sodass die Kantonsstrasse nicht beeinträchtigt wird. Ein ähnliches System mit genügend Stauraum muss auch mit dem Neubau erstellt werden.
Der Standort der erzo liegt nicht unmittelbar an einer Gleisanlage und es besteht auch kein Erschliessungsplan, der eine entsprechende Anlage sicherstellen würde. Kommt dazu: Die Abfallverarbeitung ist aufgrund der Struktur per se schon unvorteilhaft für einen Bahnanschluss, weil eine Umladestation unumgänglich wäre, was weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll ist. Ob es dereinst tatsächlich Verladestation an nahen, geeigneten Standorten (z.B. Rothrist, Zofingen) geben könnte, ist Gegenstand von Abklärungen u.a. des Umweltverträglichkeitsbericht. Im Rahmen der Hauptuntersuchung der Umweltverträglichkeitsprüfung wird eine vertiefte Abklärung gemäss kantonaler Vorgabe erfolgen.
Finanzen
Für die Projektierung, die insgesamt rund zwei Jahre dauert, wird mit einem Aufwand von rund CHF 5 Mio. gerechnet. Die Kosten dafür werden zu 65% von Renergia und zu 35% von erzo KVA getragen. Für die Realisierung und den Betrieb soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden, an der Renergia und die erzo KVA gleich wie am Projektierungskredit beteiligt sind. Das Eigenkapital stammt aus freien Mitteln der erzo KVA und der Renergia. Die Gemeinden bzw. die Steuerzahler werden nicht zusätzlich belastet.
Für die Realisierung der Abfallkraftwerk sind Investitionen von maximal CHF 250 Mio. geplant. Das Geschäftsmodell wird vor jedem Projektmeilenstein überprüft und aktualisiert. So können die Risiken minimiert und auf aktuelle Entwicklungen eingegangen werden.
Das Geschäftsmodell des neuen Abfallkraftwerks ist als Unternehmen organisiert und arbeitet kostendeckend. Sollten sich die zu Grunde gelegten Rahmenbedingungen bzw. die Marktbedingungen so verändern, dass Verluste entstehen würden, würde dies die Gemeindekassen nicht belasten, da nur das Aktienkapital der Gesellschaft im Risiko steht.
Auflage Richtplan
- Der Gemeinderat Oftringen hat auf Ersuchen der Projektinitianten Entsorgung Region Zofingen (erzo) und Renergia Zentralschweiz AG die Festsetzung des Vorhabens «Abfallkraftwerk erzo» im kantonalen Richtplan beantragt.
- Im Anschluss an den Grundsatzentscheid des Grossen Rats über den Standort erfolgt die weitere Konkretisierung des Vorhabens im Nutzungsplanungs- und im Baubewilligungsverfahren.
- Das Erweiterungsgebiet (Parzelle 420) ist im rechtskräftigen Kulturlandplan der Gemeinden Oftringen als Landwirtschaftszone ausgeschieden. Für die Realisierung des Vorhabens ist eine Änderung der Nutzungsplanung notwendig.
- Der Entscheid der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in Oftringen für die nötige Einzonung ist für den 26. März 2026 geplant (Gemeindeversammlung).
Die Angaben der Projektanten zur Entwicklung des Abfallaufkommens im Kanton Aargau in den nächsten Jahren sind für den Kanton aus fachlicher Sicht nachvollziehbar. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und unter Berücksichtigung von Reduktionsmöglichkeiten durch vermehrte Separatsammlungen geht das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt davon aus, dass im Aargau 2040 zwischen 357’000 Tonnen und 397’000 Tonnen anfallen werden. Hierfür würden die bestehenden KVA-Kapazitäten im Kanton von 325 000 Tonnen jährlich nicht ausreichen und im Hinblick auf den Bedarf im Kanton Aargau Potenzial für zusätzliche KVA-Kapazitäten bestehen würden. Eine abschliessende Interessensabwägung erfolgt nach Auswertung der Mitwirkungsergebnisse. Bei der Mitwirkung auf Stufe Nutzungsplanung sind keine Einwendungen eingegangen bei der Gemeinde, Mitwirkungen wurden berücksichtigt.
Die heutigen Anlagen am Standort befinden sich im Besitz der elf Mitgliedsgemeinden der Gemeindeverbände erzo ARA / KVA. Der Regionalplanungsverband zofingenregio befürwortet die Aufnahme des Vorhabens in den Richtplan sowie die dem Richtplanverfahren nachgelagerte Teilrevision der Nutzungsplanung (Einzonung des Erweiterungsgebiets auf Parzelle 420). Gemäss den Gemeindeverbänden entspricht das Vorhaben den regionalen Interessen und ist regional abgestimmt. Der Standort ist gemäss den Gemeindeverbänden breit abgestützt.
In der regionalen Energieplanung ist der Standort für die nachhaltige Energieproduktion vorgesehen und als von regionalem Interesse ausgewiesen. Das vorliegende Vorhaben, insbesondere die Nutzung hochwertiger Abwärme, entspricht den Zielsetzungen der regionalen Energieplanung und unterstützt die Massnahmen im Bereich der Klimaneutralität. Das mit dem vorliegenden Vorhaben zusammenhängende Projekt Fernwärme Unteres Wiggertal (FUWI) ist für die Umsetzung der regionalen Energieplanung zentral. Die Bevölkerung profitiert weiterhin von günstigen Abfallgebühren. Für die Verbandsgemeinden gibt es keine zusätzliche finanzielle Belastung. Der Kehricht der Verbandsgemeinden wird effizient und mit kurzen Transportwegen vor Ort verwertet. Die regionale Wirtschaft hat vor Ort eine gesicherte Entsorgungsmöglichkeit für ihren Marktkehricht. So bleiben Arbeitsplätze erhalten. Die erzo ARA kann das rentable Kompetenzzentrum Schlammverwertung weiterbetreiben, was zu den aktuell tiefen Abwassergebühren beiträgt. Die ARA Aarburg kann ihren Klärschlamm weiterhin über die sehr umweltfreundliche Pipeline (ohne LKW) zur erzo ARA liefern. Das neue Abfallkraftwerk leistet einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion. Ohne KVA müssten teurere Lösungen für die zwingende CO2-Reduktion gefunden werden.
Der Projektperimeter liegt im Bereich von grossen Grundwasserströmen und nutzbarem Grundwasser. Daher wurden das Gebiet im Richtplan als vorrangige Grundwassergebiete von kantonaler Bedeutung bezeichnet. In den vorrangigen Grundwassergebieten soll die natürliche Grundwasserneubildung nicht beeinträchtigt und im Hinblick auf die zukünftige Grundwassernutzung erhalten bleiben. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung wird im Nutzungsplanungs- bzw. Baubewilligungsverfahren stufengerecht der Nachweis zu erbringen sein, dass das Vorhaben zu keiner Beeinträchtigung des Grundwassers führt. Es sind Massnahmen zu treffen, dass das Grundwasser wirkungsvoll vor schädlichen Einwirkungen geschützt werden kann.
Für den Betrieb der Gesamtheit der Anlagen des geplanten Abfallkraftwerks ist sowohl die Anlieferung von Roh- und Betriebsstoffen wie auch der Abtransport von Produkten und Reststoffen notwendig (Anlieferung Abfall und Betriebsstoffe, Abtransport Reststoffe, Klärschlammtrocknung). Das geplante Abfallkraftwerk hat gemäss Angaben der Projektanten eine Verbrennungskapazität von 160’000 Jahrestonnen. Es wird mit 101 Lastwagen pro Tag für die Anlieferung und den Abtransport gerechnet, gegenüber heute rund 60 Lastwagen pro Tag für den Betrieb der bestehenden KVA Oftringen. Bei diesen Zahlen ist der Betrieb von allfälligen weiteren Anlagen wie P2G oder CCS nicht berücksichtigt. Die zusätzlich verarbeitete Menge vo rund 90’000 t entspricht dabei einem Mehrverkehr von 41 Lastwagen (82 Fahrten) am Tag. Das entspricht einem Mehrverkehr von 0.2% bis 0.4% auf dem kantonalen Verkehrsnetz. Durch die azyklische Verteilung der Fahrten durch den Tag ist in der Morgenspitzensunde mit einem Mehrverkehr von sechs Fahrten und in der Abendspitze mit einer Fahrt zu rechnen.
In Bezug auf die Belange der Kantonsstrassen und die verkehrlichen Auswirkungen auf das Kantonsstrassennetz spricht gemäss Kanton nichts gegen eine Festsetzung im Richtplan. Die Zweckmässigkeit des Bahntransports mit Bahnanschluss in der näheren Umgebung und Umladestation werden im Rahmen der Erarbeitung eines Massentransportkonzepts zusammen mit der UVP-Hauptuntersuchung vertieft geprüft.
Das geplante Abfallkraftwerk verfügt über eine Verbrennungskapazität von 160’000 Jahrestonnen und untersteht damit einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Die UVP wird stufengerecht in den nachgelagerten Verfahren durchgeführt. Auf Stufe Richtplan ist keine UVP notwendig. Ist für ein Vorhaben eine Nutzungsplanung mit öffentlicher Auflage notwendig, erfolgt die erste Stufe der UVP bereits in diesem Verfahren Die abschliessende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wird im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens durchgeführt werden.
Der Richtplan dient der Steuerung der räumlichen Entwicklung des Kantons. Er legt hierzu Zielsetzungen und Planungsgrundsätze fest und stimmt die raumwirksamen Tätigkeiten aufeinander ab. Über den Richtplan und dessen Änderungen beschliesst der Grosse Rat, über Änderungen von untergeordneter Bedeutung der Regierungsrat. Eine Festsetzung des Projekts im Richtplan ist deshalb nötig, weil das Projekt als kantonal bedeutsame Abfallanlage gilt und die vorgesehenen Energieproduktion mehr als 20 MW Leistung betragen wird.
Das kantonale Energiegesetz strebt an, die Nutzung der erneuerbaren Energien und der Abwärme zu fördern, eine zuverlässige und wirtschaftliche Energieversorgung für Bevölkerung und Wirtschaft sicherzustellen sowie die Abhängigkeit von einzelnen Energieträgern zu vermindern. Kanton und Gemeinden berücksichtigen bei der Beschaffung der Energie insbesondere erneuerbare Energiequellen und neue Nutzungsarten von Energie. Ortsgebundene hochwertige Abwärme, wie beispielsweise langfristig zur Verfügung stehende Industrieabwärme, ist zu nutzen. Die Fernwärme kann einen namhaften Beitrag an die Erreichung der Klimaziele der Schweiz beisteuern. Die Nutzung von Wärmequellen wie Abwärme aus Kehrichtverwertungsanlage spielt für den Ausbau der Fernwärme eine wichtige Rolle. Das Vorhaben entspricht gemäss Kanton den genannten Zielen und gesetzlichen Vorgaben. Zudem sei es im Sinne der regionalen Energieplanung: Der Standort erzo ist in der regionalen Energieplanung für die nachhaltige Energieproduktion festgesetzt. Das vorliegende Vorhaben ist mit dem Projekt FUWI (Fernwärmenetz Fernwärme Unteres Wiggertal) verknüpft. Gemäss Stellungnahme des Regionalplanungsverbandes ist das Projekt FUWI für die Umsetzung der regionalen Energieplanung zentral. Das heutige Fernwärmenetz müsste ohne neue KVA mit einer anderen Energiequelle (z.B. durch fossiles Gas) betrieben werden.
Neben der Wärmenutzung sollen in der neuen Anlage die heute bereits bestehende Elektrizitätserzeugung im selben Masse fortgeführt werden. Mit Blick auf die Herausforderungen im Energiebereich allgemein, aber speziell im Elektrizitätsbereich, ist dies unabdinglich. Damit trägt das neue Abfallkraftwerk einen unverzichtbaren Beitrag zur Lösung der Herausforderungen bei. Schliesslich soll auch die Elektrizität zukünftig CO2-frei erzeugt werden. Ein neues Abfallkraftwerk leistet hier einen wertvollen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele des Bundes.
Auch wenn beim vorliegenden Vorhaben die Energienutzung im Vordergrund steht, dienen KVA in erster Linie der umweltgerechten Entsorgung von Abfällen, insbesondere der Siedlungsabfälle. Für die neue KVA ist eine Kapazität von 160’000 Tonnen pro Jahr geplant, rund 90’000 Tonnen mehr als heute. Die Dimensionierung erfolgt aus Überlegungen zum Energieabsatzpotenzial, zu den Kehrichtmengen, zur Entwicklung der Kapazitäten der KVA sowie aus wirtschaftlichen Überlegungen. Der Siedlungskehricht aus dem Verbandsgebiet wird gemäss den Projektanten nur geringfügig zunehmen. Der grösste Teil des zusätzlichen Kehrichts soll deshalb auf dem freien Markt beschafft werden.
Um die neue KVA mit einer Kapazität von 160’000 Tonnen jährlich auslasten zu können, sind im Wesentlichen Abfälle aus dem Einzugsgebiet der KVA Renergia in Perlen vorgesehen. Dies betrifft die Kantone der Zentralschweiz. Aus den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Bern, Solothurn und Zürich soll kein zusätzlicher Abfall verwertet werden. Die KVA Renergia in Perlen ist bereits heute vollständig ausgelastet, weshalb für zusätzliche Abfälle aufgrund der Bevölkerungsentwicklung neue Entsorgungskapazitäten erforderlich sind.
Die Berechnung der künftigen Abfallmenge geht davon aus, dass 2035 unter Berücksichtigung eines mittleren Szenarios für die Bevölkerungsentwicklung zwischen 114’000 t und 121’000 t Abfälle anfallen, bis 2050 zwischen 162’000 und 191’000 t. Auf Basis dieser Berechnungen geht das Projekt davon aus, dass der Bedarf für zusätzliche Kapazitäten für den Aargau und die Zentralschweiz gegeben sind.
Die bestehende Kehrichtverwertungsanlage (KVA) am Standort der erzo in Oftringen erreicht in den kommenden fünf bis zehn Jahren das Ende ihrer Betriebsdauer. Die verkehrsgünstige Lage und die Nähe zu Industriegebieten, das Potenzial für den Verkauf von Fernwärme und Prozessdampf in der näheren Umgebung des Standorts sowie die gesamtschweizerisch weiterhin steigenden Abfallmengen und nicht zuletzt der Weiterbetrieb des bestehenden Fernwärmenetzes und die Schlammtrocknung für die beiden ARAs in Oftringen und Aarburg mit CO2-freier Wärme, bewogen die Verantwortlichen von erzo und Renergia Zentralschweiz AG nach einer Lösung zu suchen. Als Ersatz der bestehenden Anlage ist ein modernes Abfallkraftwerk (Projekt Renzo) am Standort erzo geplant. Dafür ist eine Erweiterung des bestehenden Areals (Parzellen 345 und 3951) auf die Parzelle 420 nötig. Die Parzelle befindet sich vollständig im Kulturland (Fruchtfolgeflächen), ist im Besitz der erzo ARA und muss eingezont werden. Diese Umzonung wird zu 100% kompensiert, d.h. heute eingezontes Bauland (ÖBA) wird als Landwirtschaftsland eingezont. Sie wird also mit bereits in der Region ausgezontem Bauland verrechnet. Der entsprechende Beschluss der regionalen Raumplanungsorganisation zofingenregio liegt vor. Für eine flächengleiche Kompensation ist zu sorgen. Bei Bedarf wird die Aufwertung von geeigneten Flächen zu FFF im entsprechenden Umfang finanziert werden.
